We need to talk — Issue #66

Turbulente Woche, die bisher mit einem “Ich lerne jetzt Mal Berlin kennen”-Abend endete. Man muss sich ja mal Hobbys suchen für die nächste Zeit. Ich kann ja nicht nur Newsletter schrieben und Bürgerrechte im Digitalen als Hobby haben 🙃 Und nach bald fünf Jahren Berlin kenne ich die Stadt viel weniger als ich sollte. Wird sich nun ändern!

Zur turbulenten Woche gehörten auch zahlreiche Veranstaltungen und so oft U6 fahren wie noch nie. Wir hatten bei der Friedrich-Naumann-Stiftung unsere gesplittete Jahreskonferenz. Zwei der drei Diskussionsrunden durfte ich moderieren. Eine hat mir dabei besonders gut gefallen und das war eine super internationale zu Desinformation mit Gästen aus der Ukraine, der Elfenbeiküste und ganz besonders aufgeregt war ich, dass Maria Ressa von den Philippinen dabei war. Sie ist mehrfach als Person des Jahres oder Jahrhunderts vom TIMES Magazine ausgezeichnet. Als Journalistin drohen ihr gerade mehrere Jahre Haft — die Pressefreiheit ist unter Präsident Duterte massiv unter Druck. Die Frau ist einfach der Wahnsinn. Menschlich und inhaltlich. Ich bin immer noch ganz begeistert. Die Doku “Die Unbeugsamen” über sie auf Arte hatte ich Euch hier vor einiger Zeit mal empfohlen. Leider ist sie aktuell nicht mehr in der Mediathek, aber sie hatte mir wirklich Tränen in die Augen getrieben.

Dann habe ich vergangene Woche an zwei Abenden mit anderen Engagierten zusammen Wahlprogramme für die anstehenden Wahlen mit gestaltet. In Berlin wird nächstes Jahr ja nicht nur für den Bundestag gewählt — es stehen auch wieder die Wahlen zum Abgeordnetenhaus an. Anfang des Jahres hatte ich ja schon zur Thüringenwahl gesagt, dass ich mich wieder mehr für den Liberalismus beziehungsweise die Freien Demokraten an sich engagieren möchte. Denn man kann ja nicht nur schimpfen über solche Ausfälle in der eigenen Partei. Man muss auch aktiv was besser machen.

Nicht nur das ist ein Grund. Es braucht auch einfach mehr Frauen in meiner Partei und in der Politik allgemein. Nicht nur, damit diese unsäglichen Altherrenwitze endlich aufhören. Zum Thema Frauen, Sexismus und die FDP hat Ria Schröder dem Spiegel übrigens ein sehr gutes und unaufgeregtes Interview gegeben, dass ich Euch direkt hier oben empfehlen möchte.

Die permanenten Angriffe auf Frauen, sie werden sichtbarer. Und deutlicher werden auch die Konsequenzen. Riesenlob daher für Doro Bär, die konsequent ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhardt-Stiftung gekündigt hat, nachdem deren Vorsitzender Roland Tichy in seiner Zeitschrift widerlichsten Sexismus gegen Sawsan Chebli hat drucken lassen. Genau solche schnellen und drastischen Zeichen wie das von Doro Bär braucht es bei sowas. Tichy ist mittlerweile zurückgetreten. Andere in der Stiftung waren da leider nicht so konsequent. Zwei Männer haben ihre Mitgliedschaft lediglich ruhen lassen. Dabei würde ich mir wirklich wünschen, dass Männer es sind, die ihren Geschlechtsgenossen deutlich(er) klarmachen, dass so etwas absolut nicht geduldet wird. Denn es sind mir zu oft lediglich Frauen die füreinander einstehen: “Bär und Chebli — ihre politische Herkunft könnte unterschiedlicher kaum sein. Aber beide Frauen eint, dass sie so stil- und selbstbewusst auftreten, wie sie wollen. Dass sie wohl gerade deshalb oft auf ihre Weiblichkeit reduziert und diffamiert werden.”

Zu guter Letzt, weil ich die Begründung wieder zu oft las: Männer sollten sich nicht anständig benehmen, weil sie doch sicher nicht wollen würden, dass ihre Frauen, Mütter oder Töchter so behandelt werden. Die US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hielt erst kürzlich eine bemerkenswerte Rede, nachdem sie verbal sexuell belästigt wurde und wies dabei auf folgendes richtigerweise hin:

“And so, what I believe is that having a daughter does not make a man decent. Having a wife does not make a decent man. Treating people with dignity and respect makes a decent man. And when a decent man messes up, as we all are bound to do, he tries his best and does apologize. Not to save face, not to win a vote. He apologizes genuinely to repair and acknowledge the harm done so that we can all move on.”

Aufrichtige, zeitnahe Entschuldigungen. Daran müssen viele noch dringend arbeiten.

Nun aber zu den restlichen Themen, die mir diese Woche wichtig waren.

Alles Liebe

Ann Cathrin 🍂

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WHAT TO KNOW

Maria Ressa hat bei dem schon erwähnten Panel einiges gesagt, was mich berührt hat und einiges, was mich inhaltlich zum nach- beziehungsweise weiterdenken angeregt hat. Unter anderem, dass wir uns nicht immer so sehr auf Content fokussieren sollen, wenn wir über die Bekämpfung von Desinformation nachdenken. Da traf sie genau einen Punkt bei mir. Denn mit der Beschäftigung von Inhalten, dessen Regulierung um dem Problem Herr zu werden (Stichwort: Meinungsfreiheit), oder auch dem Debunking von Desinformation zum Beispiel durch Faktenchecks, kommen wir nicht wirklich weiter. Auch kommen wir so nicht an die wirkliche Ursache des Problems. Maria verwies auf die aktuelle Netflix Dokumentation “The Social Dilemma” (unten) und wie sehr die Algorithmen beziehungsweise das Design von Plattformen (Stichwort: Dark Patterns) einen enormen Anteil an der Problematik haben. Auch wenn es natürlich ebenfalls zu kurz kommen würde, zu behaupten, die Plattformen wären die Ursache allen Übels, gerade beim Thema Desinformation und Verschwörungsmythen. Und doch: “Start thinking tech!”, wie Maria Ressa sagte.

Sehr ähnliches sagt auch Whitney Philips in ihrer Kolumne. Sie spricht nicht nur die notwendige Tech-Regulierung an, sondern auch, dass wir anfangen müssen anders über Verschwörungsmythen wie QAnon zu berichten.

But there are bigger online threats that need addressing — not just content moderation issues, since by the time we’re shifting into whack-a-mole mode, we’re too late. We need algorithmic transparency. We need business models that don’t thrive when citizens suffer. And we need to recognize QAnon for what it is: a stress test for the attention economy — one it is clearly failing.

Wenn wir also mehr als Symptome bekämpfen wollen, dann müssen wir an die Art und Weise ran, wie Plattformen uns in ihren Bann ziehen und dort lassen.

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We Need to Talk About Talking About QAnon | WIREDwww.wired.com

Bleiben wir beim in Bann ziehen:

The first thing I hear in the morning is my SleepCycle app, which is supposedly monitoring my movements in order to “gently” wake me as I emerge from sleep. I swipe it off and see the first alerts from the various news apps on my phone: bad things, getting worse. I check the Covid numbers in my county, then in my mom’s county. As I lie in bed, my thumb goes to Instagram for truly unknown reasons, but I’m less interested in seeing what others have posted than how many people have liked whatever photo I posted the night before. I check my personal email. I check my work email. I deleted the Twitter app off my phone, but don’t worry: You can always just open Chrome and go to Twitter.com.

Hat sich noch jemand so sehr attapt gefühlt, wie ich? Nicht, dass mir das nicht neu wäre, das ich so handle. Aber dieser ganze Artikel ließ mich beim Lesen sagen: “Uff. Ja. Scheiße.” Ständig aufs Smartphone gucken, das war schon vor Corona ein Problem. Oder ständig abgelenkt sein, sich ablenken wollen mit den neusten Posts auf Instagram und Twitter. Ich will gar nicht genau wissen, wie häufig ich jedes Mal, wenn ich diesen Newsletter schreibe, zum Handy greife oder hier am MacBook Twitter öffne und mich dort verliere.

Mit so viel Home Office und digitalerem Arbeiten und vernetzen ist es für mancha aber noch schlimmer geworden. Ständige Kommunikation, auch gerade bei der Arbeit sind allgegenwärtig geworden — wenn es das nicht eh schon war. Beispielsweise auf Slack online sein. Am besten auch in irgendeinem Channel was schreiben, damit auch alle wissen, dass man “bei der Arbeit ist” oder eben “arbeitet” obwohl man ja eigentlich gar nicht arbeitet, weil man ja irgendwas, meist belangloses schreibt, aber wenn man das nicht schreiben würde, würden die anderen oder die Chefin ja vielleicht denken, dass man nicht arbeitet. Kennt Ihr dieses Gefühl? Ständig erreichbar sein, ständig kommunizieren wollen, müssen, sollen. Ein direkter Weg ins Burnout. Und das, wo die Zeit während einer Pandemie eh schon genug belastend ist für alle.

But that’s the reality of the internet-ridden life: I need to be an insanely productive writer and be funny on Slack and post good links on Twitter and keep the house clean and cook a fun new recipe from Pinterest and track my exercise on MapMyRun and text my friends to ask questions about their growing children and check in with my mom and grow tomatoes in the backyard and enjoy Montana and Instagram myself enjoying Montana and shower and put on cute clothes for that 30-minute video call with my coworkers and and and and.

The internet isn’t the root cause of our burnout. But its promise to “make our lives easier” is a profoundly broken one, responsible for the illusion that “doing it all” isn’t just possible, but mandatory. When we fail to do so, we don’t blame the broken tools. We blame ourselves. Deep down, we know the primary exacerbator of burnout isn’t really email, or Instagram, or a constant stream of news alerts. It’s the continuous failure to reach the impossible expectations we’ve set for ourselves.

Auch hier wieder: Das abhängig machende Design von Plattformen und Diensten trägt enorm was zu diesem Gefühl, diesem Burnout, bei. Schaut mal in der Doku “The Social Dilemma”, wie Notifications und selbst E-Mails dazu beitragen. Es ist ein Graus. Die Lösung aber sicher nicht, einfach auf alles zu verzichten. Nur den Umgang müssen wir besser lernen. Für uns selber, für uns als Team bei der Arbeit, im Freundeskreis. Aber wir müssen auch gucken, ob wir solch einem abhängig machenden Design nicht regulatorisch entgegenwirken sollten.

Cant even   video

How Work Became an Inescapable Hellhole | WIREDwww.wired.com

Noch ein Text zum Thema menschliche Steurung durch Technik. Hier einer, den ich sehr spannend finde und auch schon bei LinkedIn erlebt habe (allerdings eher buggy, denn ich wollte wirklich nicht pöbeln!). Mit ein bisschen Nudging das Internet ein bisschen besser machen. Das ist hier der Ansatz. Heißt, wenn Menschen einen Beitrag, zum Beispiel einen Kommentar absetzen wollen und die Spracherkennung erkennt, dass man sich ganz shcön im Ton vergreift, gibt sie einen Hinweis, wenn man den Beitrag abschicken möchte. Dass man sich doch bitte an die Netiquette halten solle und die eigene Wortwahl überdenken möge. Ich finde das einen sehr klugen und guten Ansatz, sofern es nur ein Warnhinweis ist und man dennoch posten darf. Das hat drei Gründe: 1. Meinungsfreiheit. Die ist halt sehr weit gefasst und trotz vieler unschöner Wörter im Netz, auch hier möchte ich keine Technik, die entscheidet, was erlaubt ist und was nicht. Ganz so wie bei Uploadfiltern, die fürs Urheberrecht eingesetzt werden 2. Technik ist halt nicht so gut, wie manche gerne wünschten. Sie erkennt Kontexte nicht, Zitate von Songtexten nicht, und so weiter und so fort. 3. Selbst wenn die Technik so gut wäre, Menschen finden immer Umgehungen. Die W ö r t e r einfach trennen zum Beispiel, oder neue Worte erfinden. Emojis statt Worten benutzen — einfach mal Chines:innen fragen, wie sie die staatlichen Zensurmaßnahmen kreativ umgehen um sich auf WeChat über Themen, die die Regierung kritisch sieht, unterhalten zu können. Es würde also keine ursächlichen Probleme lösen, wer Hass verbreiten will, wird es immer tun. Aber es gibt noch genügend Leute, die manchmal gar nicht merken, dass sie sich in Rage geschrieben haben.

While gentle nudges work for some, they do little to influence those who show up in the comments to intentionally write something racist, sexist, violent, or extreme. Flagging those comments won’t make a troll stop, scratch their head, and reconsider if they could say it a little more nicely. But Nadav Shoval, OpenWeb’s cofounder and CEO, believes that the number of genuine trolls — that is, people who write nasty things on the internet like it’s their calling — has been greatly exaggerated. He believes that most offensive comments come from people who are usually well-intentioned but occasionally have a flare-up of emotion that, when amplified, incentivizes more inflammatory behavior. There’s some evidence to support that, too: In a blog post published on Monday, Jigsaw referenced an earlier study it did with Wikipedia, where it found that the majority of offensive content came from people who did not have a history of trolling.

Also, ich fände umfassendere Tests hierzu sinnvoll. Und wer sich ordentlich ausdrückt, der wird eh nicht solche Warnmeldungen sehen und wegklicken müssen.

Toxic comments

To Clean Up Comments, Let AI Tell Users Their Words Are Trash | WIREDwww.wired.com

“Wir können mithilfe von Daten, evidenzbasierten Entscheidungen und schlanken Prozessen Politik in nahezu jedem Bereich wirksamer und zielgenauer machen. Das ist für das Vertrauen der Bürger in den Staat notwendig.” Lars Zimmermann sagt nicht nur in diesem Interview viel Kluges zum Thema digitale Verwaltung, Modernisierung des Staates und GovTech, sondern auch sonst ganz generell. Wenn Ihr also wissen wollt, wie wir unsere Verwaltung fit für die Zukunft machen können, dabei noch Vorreiter in einer ganz spannenden Branche werden könnten und was Vorreiter bei der digitalen Verwaltung eigentlich vorbildliches gemacht haben, das könnt Ihr in diesem Interview nachlesen und regelmäßig bei ihm bei Twitter.

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„Ohne Faxgerät wären wir aufgeschmissen“ — brand eins onlinewww.brandeins.de
Govtech-Start-ups wollen den Staat modernisieren. Wie, sagt Lars Zimmermann, der in solche Firmen investiert.

“Breaking the law is not innovative. Otherwise the Mafia would be the most innovative organization in the world.” , sagte einst Max Schrems und ich meine, dass er damit sehr Recht hat. Neues ist nicht gleich innovativ. Innovativ ist etwas erst, wenn es auf ein größeres Ziel, auf das man sich mal festgelegt hat, einzahlt. Zum Beispiel, weil man nachhaltiger werden will oder eine Digitalisierung haben will, die unsere Werte (was unsere europäischen Grundwerte sind, haben wir ja immerhin mal festgelegt) schützt. Zahlt also etwas nicht auf diese Werte ein — und ein soziales Netzwerk wie Facebook tut das, behaupte ich mal, eher nicht — dann ist es auch nicht innovativ. Dann sind keine neuen (digitalen) Produkte innovativ, solange sie unsere europäischen Datenschutzstandards nicht achten.

Max Schrems ist der, der seit seinen Studienzeiten die Klagen gegen Facebook führt. Seinetwegen wurde “Safe Harbor” und “Privacy Shield” gekippt. Doch Schrems ist keiner, der beim Datenschutz nicht differenzieren kann:

Den in diesem Zusammenhang oft geäusserten Vorwurf, man schade der Wirtschaft, versteht Schrems — auch aus eigener Erfahrung. «Meine Mutter hat fünf Mitarbeiter in ihrem Schmuckgeschäft. Die soll keine ‹privacy policy› für ihren Newsletter schreiben müssen», sagt er. Es brauche ein Vorgehen mit Augenmass. Doch die Lobbyisten der Tech-Giganten hätten verhindert, dass die DSGVO zwischen grossen und kleinen Unternehmen differenziere, um in der Öffentlichkeit zu punkten. Es brauche aber keine gigantischen Regelwerke, welche die Wirtschaft bürokratisch erschlügen. «Ich bin für abstrakte Regeln, die flexibel anwendbar sind», sagt Schrems.

Schrems hofft, dass europäische Bussgelder und wirtschaftliche Nachteile das Silicon Valley irgendwann dazu bringen, Druck auf den Kongress auszuüben, so dass dieser die Überwachungsgesetze abschafft. Längerfristig kämen die westlichen Länder aber nicht darum herum, sich auf einen gemeinsamen Standard beim Datenschutz zu einigen, ist Schrems auch mit Blick auf wesentlich weniger zimperliche Staaten wie China oder Russland überzeugt. Das könne dauern, meint Schrems zum Abschied — und lässt keinen Zweifel daran, dass er in langen Zeiträumen denkt. «Über die Arbeitnehmerrechte diskutieren wir ja auch schon seit hundert Jahren.»

Wichtig ist, dass wir wirklich die Unternehmen mehr fordern. Da finde ich auch die Transparenzvorgaben in durch die DSGVO ungenügend. Denn das kann ein Mensch gar nicht beim täglichen Handeln im Netz alles lesen.

Verletzung von Datenschutzregeln den angeblich nachlässigen Konsumenten geben. Er befasse sich seit Jahren sehr intensiv mit Facebook und wisse trotzdem nicht, wie die Algorithmen funktionierten — ähnlich gehe es wohl den meisten Ingenieuren des Unternehmens. Von einem Nutzer könne somit noch weniger erwartet werden, all das zu durchschauen, was er mit einem einzigen Mausklick auslöse — zumal Facebook diese Einzelhandlungen zur Erstellung detaillierter Profile verwende.

Dazu passend empfehle ich gerne nochmal das Buch “Die Daten die ich rief” von Katharina Nocun. Sie hat mal probiert eine Pizza zu bestellen und brav alle Datenschutz- und Cookie-Erklärungen vorher zu lesen. Die Plattform Pizza de und der Bezahldienst PayPal waren nur zwei von ganz wenigen Akteuren, mit denen man bei einer so simplen Sache wie Pizza bestellen, seine Daten übermittelt. Und die aktualisieren sie ja auch regelmäßig. Einmal lesen und für immer Ruhe gibt es auch nicht. Kleiner Spoiler aus dem lesenswerten Buch: Man verhungert, bevor man eine Pizza bestellen kann. Ganz zu schweigen davon, dass man echt juristische und technische Expertise braucht, um auch nur annähernd verstehen zu können, was eigentlich mit den eigenen Daten passiert.

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«Facebook scheisst auf das Recht» — dies zu ändern, ist die Mission von Datenschützer Max Schremswww.nzz.ch

Es hat enorme Vorteile, wenn man Verordnungen von Menschen schreiben lässt, die nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch Ahnung von der Materie haben. Und es hilft noch viel mehr, wenn sie von einem Menschen geschrieben werden, der Technologie und alles Digitale liebt, den Menschen an sich aber noch mehr. „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“, das sagt Prof. Dirk Heckmann über digitale Prüfungen und hat die entsprechende Verordnung für den Freistaat Bayern mit erarbeitet. Ganz wichtig ist ihm dabei Prinzipien in den Vordergrund zu stellen, Vertrauen in Student:innen zu haben und sich bewusst zu sein, dass Überwachung und das unter Druck setzen von Student:innen durch Überwachung ihres Zimmers und Ihres Computers niemals die richtige Lösung sein kann. Auch analoge Prüfungen sind niemals perfekt, betrogen wird überall. Es sollte sich aber darauf fokussiert werden, dass Student:innen Wissen präsentieren und nicht auswendig gelerntes herunter rattern, Tools zeitgemäß nutzen und sich vor allem wohl und sicher fühlen bei ihrer Prüfung. Und eben nicht nur sicher vor Corona. Den Text der Verordnung findet Ihr hier.

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Auch Unis — Sibler träumt vom digitalen Prüfungsraum — Bayern — SZ.dewww.sueddeutsche.de

Meine App ist mittlerweile nicht mehr ganz jungfräulich, ich hatte jetzt auch eine Risikobegegnung aber mit sehr geringem Risiko. Sie blieb also immer grün. Jetzt gibt es eine erste Zwischenbilanz der Corona-Warn-App, zu der ich eigentlich nur zwei Punkte machen möchte:

  1. Ich glaube weiterhin, die Erklärungen der App sind nicht ausreichend. Es sollte bei solch einer Risikobewertung wie ich sie habe gleich dort stehen, dass es sich um eine Begegnung handelt, die vermutlich zu kurz oder zu weit weg war. Diese Zahl bewirkt bei sehr vielen Unbehagen — man sollte sich Informationen und Erklärungen nicht erst heraussuchen müssen.
  2. Ein Großteil der Kritik an der App in der Zwischenbilanz rührt daher, dass einfach von Beginn an von zu vielen Seiten — insbesondere Politik und Medien — enorme, ja utopische Erwartungen in die App gesteckt wurden. Na klar, dass sie die nicht erfüllt. Hätte sie auch niemals können (und mit Sicherheit auch keine Lösung, die weniger datenschutzfreundlich wäre). Die App ist ein Baustein, ein Tool von vielen zur Bekämpfung der Pandemie. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist auch wichtig, dass hier vonseiten der Entwickler:innen auch nochmal gesagt wird, dass Apps immer buggy sind — gerade am Anfang. Wer perfekte Lösungen erwartet, hat keine Ahnung von der Materie. Das schließt aber nicht aus, dass man dennoch kontinuierlich darauf hinwirken und hinarbeiten muss diese App besser zu machen. Mein Fazit daher: Die Erwartungen, die man an sie haben konnte, hat sie bestmöglich erfüllt. Warum Leute so ein Misstrauen in technische Lösungen des Staates haben ist ein anderes Problemfeld und hat vielleicht auch ganz andere Ursachen. Looking at you VDS, Staatstrojaner, Registermodernisierungsgesetz und Co.
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Pandemie-Vorsorge: Viele Downloads, wenige Warnungen — das ist die Zwischenbilanz der deutschen Corona-Appwww.handelsblatt.com

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The Rise of Digital Authoritarianism: China, AI and Human Rights — Crowdcastwww.crowdcast.io
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„Social Scoring“ — Der schnellste Weg zum „gläsernen Bürger“ oder Instrument für neue Teilhabemöglichkeiten?

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Mit Manuel Höferlin MdB, Dr. Mareike Ohlberg, Dr. Andrea Timmesfeld und Rainer Rehak. Ich moderiere!

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chairwoman @loadev | digital policy & civil rights | www.anncathrinriedel.de

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