Nicht optimistisch, aber hoffnungsvoll — Issue #80

WHAT TO KNOW

Ich sage es zu Beginn nochmal deutlich, bevor Missverständnisse aufkommen: Ich finde, wir sollten unbedingt Technologie zur Pandemiebekämpfung einsetzen — natürlich auch Daten. Und wir sollten ebenso unbedingt statt den Zetteln in Restaurants digitale Lösungen nutzen, um unseren Aufenthalt dort zu registrieren. Warum? Weil digitale Lösungen hier deutlich sicherer und datenschutzkonformer sind als eine Zettelwirtschaft. Wenn, ja wenn man die digitale Lösung denn richtig umsetzt. Und genau hier beginnt mein Problem mit der gehypten App luca. Exemplarisch für mein Problem damit könnte man den Berliner Regierenden Bürgermeister heranziehen, der öffentlich sagte, dass er überhaupt keine Ahnung davon habe, was er da jetzt an Verträgen unterschrieben habe, aber die App jetzt unbedingt haben wolle. Schön, wenn Regierende endlich mal handeln — daran fehlt es ja gerade massiv — ich würde mir als Bürgerin jedoch a) wünschen, dass sich mein Landeschef mit Dingen wenigstens etwas auseinandersetzt, die er kauft b) nicht öffentlich zu bekennen gibt, dass er Verträge unterschreibt über Sachen, von denen er keine Ahnung hat und c) dass digitale Tools mit der Ernsthaftigkeit behandelt werden würden, mit der wir auch andere Dinge behandeln. Solch eine Aussage über einen Impfstoff wäre ihm niemals über die Lippen gekommen.

  • Eine KI soll die Fotos identifizieren. Kann sie — natürlich — nicht so gut. Das heißt, auch Nacktfotos von Erwachsenen können bei Vertragspartnern der Plattformen landen, die die Fotos dann händisch sichten. Eine Statistik der Schweizer Bundespolizei zeigte, dass lediglich 14 Prozent der identifizierten Inhalte strafrechtlich relevant waren.
  • Schon der Verdacht gegen Menschen, dass sie Aufnahmen von Kindesmissbrauch verbreiten kann erhebliche Folgen für die Betroffenen haben.
  • Kinder (das sind laut UN alle unter 18) verbreiten selber Nacktfotos von sich, zum Beispiel beim Texting. Gerade diese sollten nicht bei irgendwelchen Dienstleistern zur Auswertung landen.
  • Opfer von Missbrauch brauchen geschützte digitale Räume, um sich dort über ihre Traumata auszutauschen. Solche Einschränkungen traumatisieren ggf. nochmal mehr. Drohende Backdoors erhöhen zudem die Gefahr, dass Kriminelle an Fotos kommen und diese weiterverbreitet werden.

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chairwoman @loadev | digital policy & civil rights | www.anncathrinriedel.de

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